Das liebe Ich

Das liebe Ich

Je länger ich lebe, desto mehr gewinne ich den Eindruck, dass unter allen Übeln wohl keines schlimmer ist als der Egoismus. Im Wirtschaftsleben, in der Politik, in Schulen, Ausbildungswerkstätten, selbst in Familie und Ehe – der Egoismus ist wie eine Schlingpflanze, die nach unten zieht. Egoisten denken (und sagen auch manchmal): „Ich habe Recht“, „das größere Stück gehört mir“, „auf den besseren Platz habe ich Anspruch“ usw.

Leider gibt es auch viele Christen, die – trotz ihrer Erlösung durch Jesus Christus – dem Ich noch zu viele Rechte einräumen. Das mag an der Erziehung liegen, am Einfluss anderer Menschen, an schlechten Vorbildern, vielleicht aber auch daran, dass der Glaube nicht wächst, sondern eher verkümmert. Im Psalm 16,3 heißt es: „Darum freue ich mich, o Gott, über alle, die nach deinem Willen leben. Auf sie kommt es im Leben entscheidend an“. Unser Land braucht mehr C-Leute, mehr Christen, die die Bibel nicht nur im Schrank oder unter einem Haufen von Zeitschriften haben, sondern lesen und entsprechend leben, die vormachen, dass der Egoismus zu überwinden ist.

Klare Signale an eine gottlose Welt

Thomas E. Woods jr. berichtet in seinem Buch „Sternstunden des dunklen Mittelalters“ von Mönchen, die sich um in Not geratene Schiffbrüchige kümmern. Im schottischen Arbroath befestigen die Äbte eine schwimmende Glocke an einem berüchtigten, tückischen Felsen an der Küste von Forfarshire. Je nach Gezeiten war der Felsen kaum zu sehen. Viele Seeleute fürchteten sich davor, auf ihn aufzulaufen. Doch das durch die Wellenbewegungen ausgelöste Läuten der Glocke warnte sie vor der drohenden Gefahr. Seit der Zeit ist der Felsen als „Glockenfelsen“ bekannt.

Unsere Gesellschaft braucht solche „Glockenfelsen“, Menschen, von denen klare Signale ausgehen, die kompromisslos glauben und leben, eingedenk des Psalmwortes: „Dein Wort war mein einziger Maßstab – auch dann, wenn andere nicht danach lebten“ (Psalm 17,4).

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