Ganz klein und niedrig

Ganz klein und niedrig

Gelegentlich laufen Filme oder TV-Sendungen, in denen Herrscher zeigen, wie imposant ihre militärische Stärke ist. Da sieht man Paraden mit tausenden von Soldaten und neuesten Waffen. Ich denke an die Reichsparteitage der Nazis, die Paraden auf dem Roten Platz in Moskau und die Aufmärsche des nordkoreanischen Diktators. Die Mächtigen dieser Welt ähneln sich. Sie, die ganz oben stehen, wollen der Welt zeigen, wie stark sie sind. Gefeiert werden bei solcher Gelegenheit auch Leute aus dem Volk, die aufsteigen. So war es zum Beispiel bei Hitler, dem Gefreiten des Ersten Weltkriegs, der als Reichskanzler schließlich der gefeierte Führer wurde.

Christen denken in der Passionszeit an ihren Herrn und sein Wirken. Im Gegensatz zu den Mächtigen dieser Welt erniedrigte Jesus sich. Er war kein Herrscher, die sich über alles erhebt. Sein Leben und Handeln stand unter dem Vorzeichen des Dienstes, der Hingabe und des Opfers. Dass er zum Dienen gekommen sei, darauf hat er während seiner Erdenzeit mehrfach hingewiesen.

Die Menschen, denen er gegenüber trat, rätselten, ob er Johannes der Täufer sei, Elia oder einer der alten Propheten. Nur Petrus wusste es. Er gab die richtige Antwort: „Du bist der Christus Gottes“. Damit war gesagt, dass Jesus der ersehnte Herrscher der Heilszeit sei. Etwas ganz Neues würde er beginnen. Das aber sollte niemandem gesagt werden, forderte Jesus (Lukas 9,21), denn niemand würde es verstehen.

Das Unverständnis der Menschen

Bald darauf kündigte er ein zweites Mal sein Leiden an. Wieder sprach er davon, dass er in die Hände von Menschen fallen würde. „Aber auch dieses Wort“, so schrieb der Evangelist Lukas, „verstanden sie nicht.“ Sie hatten aber auch nicht den Mut ihn zu fragen, wie sie seine rätselhafte Rede deuten sollten.

Es dauerte nicht lange und es kam zu einer dritten Leidensankündigung. Erneut weist Jesus darauf hin, dass er in die Hände von Menschen fallen würde, die Gott nicht kennen und ehren. Sie würden ihn verspotten, demütigen und anspucken. Sie würden ihn auspeitschen und töten. Das war ja vielleicht noch zu begreifen, aber was sollte es heißen, dass er nach drei Tagen vom Tode auferstehen würde? Angesichts der Tatsache, dass Jesus seinen Jüngern wiederholt gesagt hatte, was ihm in Jerusalem widerfahren werde, muss man sich wundern, dass sie, als Jesus den Kreuzestod starb, derartig entsetzt und niedergeschmettert waren. Sie verstanden einfach nicht, was er ihnen sagte. Sie waren so besessen von der Vorstellung, dass der Herr Jesus als König und Sieger in Jerusalem einziehen werde, dass sie sich bis zuletzt an die Hoffnung klammerten, er werde alle seine Macht in Jerusalem entfalten und seine Feinde besiegen. Welch ein Unterschied zwischen menschlicher Erwartung und göttlichem Handeln!

Erst erniedrigt, dann erhöht

Für die ersten Christen und ihren Wortführer Paulus stand schließlich fest:

Jesus erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Verbrechertod am Kreuz. Darum aber, weil er bereit war zu sterben, darum hat Gott ihn erhöht. Menschliche Machthaber erhöhen sich selbst und kommen oft, schneller als sie denken, zu Fall. Er, Jesus Christus aber, ist von Gott erhöht. Ihm ist ein Name gegeben, der über alle Namen ist. In diesem Namen sollen sich einmal beugen alle Knie, derer die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind. Und alle Zungen sollen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters. (Philipper 2, 8-11)

Ein Kommentar zu “Ganz klein und niedrig

  1. Lieber Br. Marquardt,
    danke für die anschaulichen politischen Beispiele aus der jüngeren europäischen Geschichte.
    Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen! Ein lebendiges Opfer zu sein so wie Christus es für das ganze Weltall war inkl. uns Menschen, nach Römer 12, Vers 2, ist nicht (mehr) in. Sogar bekennende Christen empfinden die Eigenschaft „aufopferungsvoll“ als unerwünscht bei der Partnerwahl. Wie gut tut es, von Dir zu lesen, dass wir tatsächlich Fußtapfennachfolger Jesu sein dürfen. Oswald Chambers schrieb davon, dass wir „gebrochenes Brot“ und „ausgegossener Wein“ für unseren Nächsten sein werden, wenn Christus unser Leben erfüllt. Und wie viel Freude ist darin, anderen zu dienen!
    In der Hoffnung, dass Du noch lange ein Segen bist für uns alle grüße ich Dich herzlich.
    D. C. H.

Kommentarfunktion geschlossen