In der Mitte der Nacht

In der Mitte der Nacht

In jungen Jahren musste David vor dem herrschenden König Saul fliehen, der ihm nach dem Leben trachtete. Auf seiner Flucht verbarg David sich in der Wüste Juda. Es ist schwer in der Wüste zu leben. Der Boden ausgedorrt, kein Wasser weit und breit. David spürt den Wassermangel nicht nur körperlich. Auch seine Seele dürstet. Dennoch spricht er voller Freude davon, wie groß Gottes Güte ist und wie viel er diesem Gott zu danken hat. Auch abends, wenn er sich zur Ruhe legt und nachts, wenn er wach wird, denkt er an Gott. „Wenn ich mich zu Bett lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.“

Schlaflosigkeit in der Nacht kann quälen. Doch wenn David nachts wach wird, beschwert ihn nichts. Seine Erinnerung ist wach, er sagt: „Ich denke daran, wie sehr du mir geholfen hast, ich jubele vor Freude. Ich bin beschützt im Schatten deiner Flügel“ (Psalm 63,8). Wie ist solche Glaubensfreude mitten in der Nacht zu erklären?

Der persönliche Gott

David hatte ein inniges, ganz persönliches Verhältnis zu Gott. Er spricht den Allmächtigen an mit den Worten: „Gott, du bist mein Gott, den ich suche“ (Psalm 63,2) Du bist mein Gott. Es macht einen Unterschied, ob einer zum Beispiel sagt: „ein Auto“ oder „mein Auto“. Ungleich größer ist der Unterschied zwischen einem Gott und meinem Gott. Ein Gott, das kann irgendeine Statue sein, mehr oder weniger Geld oder eine Ideologie. Es ist eine lebensentscheidende Aussage, wenn einer dahin kommt, beten zu können: Mein Gott. Das erfuhr zum Beispiel auch der Jünger Thomas. Als er begriffen hatte, dass Jesus von den Toten auferstanden war, betete er ihn an mit den Worten: „Mein Herr und mein Gott!“ (Johannes 20,28)

David konnte noch keinen Auferstandenen anbeten. Er suchte die Verbindung des Herzens mit dem Vater des auferstandenen Christus. Dass und wie David in seiner äußerlich trostlosen Lage durchhielt, beweist, wie abhängig er von Gott lebte. Er spricht davon, dass seine Seele an Gott klebt (Psalm 63,9). Wer am Tage innig verbunden ist mit seinem Gott, kann – auch in schwerster Zeit – der Nacht getrost entgegensehen. Bereits während er die Augen schließt, kann er sich schon auf den nächsten Tag freuen.

Das tröstende Gebet eines Schlaflosen

Trägt die Erfahrung des David auch in unserer Zeit? Aus eigener Erfahrung sage ich: ja. Ich denke an Lebensphasen, in denen man sich wie ausgelaugt vorkommt. Einer meiner Bekannten geht dann gern in eine geöffnete Kirche. Sie ist dann sein Heiligtum. Ich habe einen besonderen Platz in meiner Wohnung. Unser Beten ist aber nicht von einem besonderen Ort abhängig. An jedem Platz und eben auch im Bett kann ich die Nähe Gottes suchen und mit ihm reden und auf ihn hören. Wenn ich nachts wach werde, suche ich seine Nähe im freien Gebet, im Zitieren von Bibelversen oder Liedern.

In manchen Liedern kommt wunderbar zum Ausdruck, worum es hier geht. In einem Abendlied von Rudolf Alexander Schröder heißt es:

Jesu Christ, mein Hort und Halt / dein gedenk‘ ich nun,
tu mit Bitten dir Gewalt: / Bleib bei meinem Ruh’n.

Wenn dein Aug‘ ob meinem wacht, / wenn dein Trost mir frommt,
weiß ich, dass auf gute Nacht / guter Morgen kommt.

Rudolf Alexander Schröder, „Abend ward, bald kommt die Nacht“, 1942 (EG 487)

Ich wünsche Ihnen eine ähnliche Erfahrung, wie die, die der spätere König David machen durfte. Wie schön, wenn auch Sie bezeugen könnten, was in Psalm 63,7 zu lesen ist: „Wenn ich mich zu Bett lege, so denke ich an dich, o Gott. Wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.“ Vielleicht erinnert sie dieser Vers heute Abend oder in der nächsten Nacht daran, dass Gott auch in der Dunkelheit gegenwärtig ist.

Ein Kommentar zu “In der Mitte der Nacht

  1. Lieber Br. Marquardt,

    vielen Dank für die ermutigenden Worte. Im Hebräerbrief heißt es, dass Christus unser barmherziger Hoherpriester ist, für uns im Heiligtum dient und stets ein offenes Ohr für jede und jeden hat – eben gerade auch in der Nacht, in Gefahr, in Einsamkeit….

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen mir alles nehmen konnten: mein Zuhause, meine Glaubensgeschwister, meinen Dienst für Jesus, die schönen Gottesdienste, die Evangeliumslieder – aber Jesus, meinen Heiland, konnten und können sie mir nicht wegnehmen. Das ist wirklich wunderbar.

    Sei gesegnet vom HErrn.

    Daniel C. Huster

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