Immer schon geliebt

Immer schon geliebt

Wäre er nicht als 32-jähriger im Jahre 1944 gefallen, würden wir sicher manches Lied des Pastors und Dichters Siegbert Stehmann singen. Leider gibt es nur wenige, dafür aber sehr eindrucksvolle Lieder dieses Mannes. In einem seiner Lieder besingt er die Auferstehung von Jesus Christus. Ich zitiere die letzte Strophe dieses Liedes:

Ostermorgen, Osterlicht! / Und das Wort davor! / Reiner wart das Weltgesicht / und das Menschenohr. / Wie ein Gärtner seinem Land / gute Pflege gibt, / hat uns Gott, der auferstand, / je und je geliebt.

Schon als Kind hatte Stehmann offensichtlich erfasst, wie viel Freude und Lebenskraft der christliche Glaube schenkt. Er sagte einmal zu seiner Mutter: „Ich möchte Prediger werden, weil die Welt so schlecht ist, und weil sie durch Gottes Wort wieder besser gemacht werden kann.“

Die Not des Krieges

Während des Krieges war er unter anderem in Norwegen. Mancher seiner Kameraden suchte seine Seelsorge. Eines Nachts kam ein Matrose zu ihm und klagte: „Es gibt keine Liebe mehr unter den Menschen.“ Zu Stehman aber fasste er offensichtlich Vertrauen, denn er bereitete sein ganzes Leben vor ihm aus. Stehman berichtet darüber: „Eh wir es ahnten oder auch nur wollten, stand hinter allen Wegen und Abgründen: Gott. – Der Matrose fragte viel, sehr viel; denn er hatte die Inbrunst der Hindus, die Verzückung der Tänzer von Siam, den Eifer der Jünger Mohammeds gesehen, aber darüber war das Bild seiner Mutter, deren Leben weder Inbrunst noch Verzückung noch Eifer kannte, sondern nur die Einfalt eines christlichen Wandels. Was sollte ich dem Kameraden besseres sagen?“

Der Matrose brachte zum Ausdruck, was Jesus über die Zukunft der Welt gesagt hat: „Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, achtet darauf, aber erschreckt nicht. […] Die Völker und die Machtblöcke der Erde werden gegeneinander Kriege führen. […] Manche Menschen werden ihren Glauben verleugnen, einander verraten und hassen. […] Weil Gottes Gebote missachtet werden, setzt sich das Böse überall durch. Und die Liebe wird in vielen erkalten.“ (Matthäus 24,6-12 in Auszügen)

Schutzzonen der Liebe

Diese Worte Jesu waren Stehmanns Mutter und der Mutter des Matrosen vertraut. Sie wussten auch, dass Jesu Liebe nie erkaltet, auch wenn die Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit dieser Welt überhand nehmen werden. Bei jenem nächtlichen Gespräch in Norwegen dachten die beiden Männer an ihre Mütter und erinnerten sich an deren Glauben. Sie hatten ihren Söhnen vermittelt, dass Gott Liebe ist und dass er uns seine Liebe geschenkt hat. Von ihm Geliebte, sind befähigt, diese Liebe weiterzugeben und dafür zu sorgen, dass es in aller Kälte, Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit diese Welt möglich ist, die Schutzzonen der Liebe zu suchen und zu finden.

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