Dankbar sein

Dankbar sein

In vielen Kirchen, auf manchen Festplätzen oder in unseren Gärten wurde gestern das Erntedankfest gefeiert. Auch wenn immer weniger Menschen ohne unmittelbare Beziehung zu Säen und Ernten leben, haben viele den Wunsch, vor allem für den Reichtum zu danken, den bereits jeder Gemüsestand bietet.

Vieles, das wir erleben, nehmen wir so selbstverständlich. Wir vergessen Menschen, die schon jahrelang in Kriegsgebieten leben, leiden und hungern müssen. Dabei haben wir viel Grund zum Danken, allein für das tägliche Brot und sauberes Wasser. Ich danke für Bäume, Büsche, Blumen, Schmetterlinge und Vögel, für Sonne Mond und Sterne. Auch für das, was uns so selbstverständlich erscheint, sollten wir danken. Vor allem für die Gesundheit. Welch wertvoller Schatz das ist, merken viele erst in Tagen der Krankheit. Und auch da gibt es noch Grund zum Danken für ärztliche Betreuung Medizin und Kuraufenthalte.

Viel Grund zur Dankbarkeit

Ich danke für Kinder, Enkel und Urenkel. Ich denke dankbar an Menschen, die Gott mir an die Seite gestellt hat. Ihnen sage ich: Danke, dass du dich um mich kümmerst und mir hilfst. Danke, dass du mir zuhörst. Danke für deine Zärtlichkeit. Danke für manchen guten Rat. Danke für deine Hilfsbereitschaft. Danke für Deinen Besuch. Danke für den gemütlichen Abend mit Dir. Danke für Deinen Brief. Danke für das Telefongespräch.

Ich danke für meine Arbeitsstelle, für ein gutes Buch, für meine Kleidung und für meine Wohnung. Ich danke für meinen Glauben und für manche Hilfe, die Gott mich erleben ließ. Ich danke für den Gottesdienst, für eine gute Predigt, für die Lieder, die das Herz erreichen. Ich danke für Frieden und Freiheit. Ich danke für alle Freude, die Gott mir schenkt.

Der Talmud sagt „Undankbarkeit ist schlimmer als Diebstahl.“ Darum wollen wir nicht undankbar sein, sondern unserem Schöpfer danken: „Herr, wir danken Dir, denn du bist freundlich und deine Güte während ewig.“ (vgl. Ps 107,1)

Das Gedächtnis des Herzens

Dankbarkeit ist schlicht und einfach das Gedächtnis des Herzens. Es wird gespeichert, was wir als Wohltat empfangen haben. Dankbarkeit darf jederzeit den Reichtum des Herzens verschenken. Dank verschwendet die gefüllten Scheunen des Herzens im Übermaß. Oft aber hat unser Herz ein kurzes Gedächtnis. Die Dankbarkeit hat es schwer. Wir stellen sie in die Schatten der Tage und lassen Sie verkümmern. Damit welken unsere menschlichen Beziehungen. In unserer immer sachlicher werdenden Welt droht das Danken auszusterben. Wir sehen freundliche Dienstleistungen anderer, die Aufmerksamkeit eines lieben Menschen, angenehme Gaben des technischen Fortschritts und die ungeheuren Angebote des modernen Lebens als Selbstverständlichkeit an. Vielleicht wird unser Dank gehindert durch Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit und Vergesslichkeit. Das schadet der Gesundheit der Seele. Nur wer sich wirklich freuen und danken kann, ist seelisch gesund.

Der klare Fortschritt der Technik bestimmt unseren Alltag mit genau berechneten Fakten der Wirtschaft, mit Computern und ihren Zahlenreihen, mit harte Bilanzen und dem, was unter dem Strich bleibt. Uns schrecken Waffen und Terror, Gemeinheit und Folter in allen Schattierungen. Heilung könnte nur von mehr Menschlichkeit kommen und von mehr Herzlichkeit. Dankbarkeit ist die schönste Form der Herzlichkeit. Ohne dankbare Herzlichkeit stirbt unsere Welt den Kältetod.

Dankbarkeit ist eine wundersame Medizin für Leib und Seele. Das gilt für den, der Dank sagt, wie für den, der Dank erfährt.